Redebeitrag der MLPD auf der Protestkundgbung am 20.07.

Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen, Bei dem schwersten Anschlag in der Türkei seit mehr als zwei Jahren sind in der Stadt Suruc an der nordsyrischen Grenze mindestens 28 Menschen getötet und rund 100 Personen verletzt worden.

Bei den Opfern handelt es sich Medienberichten zufolge um Mitglieder der Vereinigung der Sozialistischen Jugendorganisationen, die sich für einen Sommer-Einsatz in dem Zentrum aufgehalten hatten. Die rund 300 Aktivisten wollten in die kurdische Enklave Kobane reisen, die auf der anderen Seite der syrisch-türkischen Grenze liegt, um Hilfsgüter zu verteilen und beim Wiederaufbau der Stadt zu helfen.

Suruc liegt nur rund zehn Kilometer vom nordsyrischen Kobane entfernt und wird überwiegend von Kurden bewohnt. In dem Ort sind auch Anhänger des IS aktiv.

Im Kulturzentrum von Suruc halten sich regelmässig Journalisten und freiwillige Helfer auf, wie «Hürriyet» schreibt. Betrieben wird es von der Gemeinde Suruc, in der die stärkste Partei die pro-kurdische HDP ist, die jüngst einen nationalen Wahlerfolg feierte.

In Suruc befindet sich zudem eines der größten Flüchtlingslager für Syrer, die vor den Kämpfen in ihrem Land geflohen sind. In dem im Januar eröffneten Camp leben rund 35'000 Menschen.

Anschlag auch in Kobane – zwei Tote

Nur kurze Zeit nach der Explosion in Suruc ereignete sich in der nordsyrischen Grenzstadt Kobane noch ein weiterer Terrorakt. Bei dem Anschlag mit einer Autobombe kamen mindestens zwei Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) ums Leben. Die Bombe sei an einem Kontrollpunkt in der Nähe einer Schule explodiert, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten hatten Kobane Ende Januar nach monatelangen Kämpfen aus den Händen des IS befreit. Schon Ende Juni starben bei einem feigen Attentat des IS auf die Stadt mehr als 200 Menschen.

Im Namen der MLPD, ihrer Jugendorganisation REBELL und der Kinderorganisation Rotfüchse versichern wir dem Volk in Kobane, den Angehörigen der Ermordeten, ihren Freunden und Genossen unsere tiefe Trauer und Anteilnahme, aber auch unsere Wut anlässlich dieser feigen Tat der IS-Faschisten.

Kobane ist internationales Symbol des unbeugsamen Widerstandes gegen den IS-Faschismus und des Kampfes für Demokratie und Freiheit.

Die schmerzlichen Erfahrungen der vielen Toten zeigen uns, dass der Ausbau der Offensive immer mit Anstrengungen verbunden sein muss, den bereits errungenen Sieg zu sichern!

Wir werden weiterhin in Deutschland Euren Kampf unter der Arbeiterklasse und den breiten Massen bekannt machen und mit den ICOR-Solidaritätsbrigaden für den Wiederaufbau von Kobane (Errichtung eines Gesundheitszentrums) einen Beitrag leisten, den Sieg zu sichern!

Der kriegerische Überfall des faschistischen IS 2014 hat Ko­banê zu 80 Prozent zerstört: Infrastruktur, Wasserleitungen, Abwasserkanäle, Häuser, Straßen, Schulen und Krankenhäuser waren zerstört und Teile der Stadt nach dem Abzug des IS vermint. Infolgedessen leben viele Einwohner von Ko­banê heute in Flüchtlingszentren. Damit die Menschen wieder in Kobanê leben können, muss schnellstens die Infrastruktur wieder hergestellt werden. Die ICOR möchte mit ihren internationalen Solidaritätsbrigaden ein Gesundheits- und Sozialzentrum errichten.

Die Brigadistenbewegung verkörpert eine Vision. Harte Arbeit und kulturelle Verbrüderung, Beharrlichkeit, Kühnheit und Selbstlosigkeit beflügeln sich gegenseitig. Kurzum: hier wird unsere Vision des länderübergreifenden Kampfes für eine sozialistische Gesellschaft fühl- und greifbar!

Rojava (Westkurdistan) ist der derzeit fortgeschrittenste Kampf für Freiheit und Demokratie. Die demokratische Selbstverwaltung fördert das friedliche Zusammenleben aller Volksgruppen, Frauenrechte, Umweltschutz und die Lösung der sozialen Fragen.

Nach dem internationalen humanitären Völkerrecht fordern wir von allen Verantwortlichen, einen humanitären Korridor nach Rojava/Syrien – insbesondere zum Wiederaufbau von Kobanê – zu gewährleisten. Wir fordern die türkische Regierung eindringlich auf: öffnen Sie die Grenze nach Kobanê dauerhaft!

Die Petition für einen humanitären Korridor hat inzwischen mehr als 14.800 Unterschriften gesammelt. Unterstützt massenhaft diese Petition mit eurer Unterschrift.

Auch gegen revolutionäre Organisationen aus der Türkei und den kurdischen Gebieten wird verschärft vorgegangen. So wurden vor wenigen Wochen Aktivisten der ATIK (Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa) wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer sogenannten „terroristischen Vereinigung“ inhaftiert, weil sie für die Revolution in der Türkei und eine sozialistisch/kommu­nistische Gesellschaft eintreten und zusammen mit der PKK auch gegen die faschistische IS kämpfen. Der Kampf gegen das PKK-Verbot in Deutschland und die Kriminalisierung von Revolutionären bleibt auf der Tagesordnung.

Hoch die internationale Solidarität!

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MLPD Mannheim/Heidelberg