Interview mit Liza Maza von den Philippinen

20.09.2012: Liza Maza von den Philippinen gab uns während ihres Aufenthaltes in Mannheim folgendes Interview:

Liza, Du bist die Vorsitzende von GABRIELA und IWA. Kannst Du uns kurz diese beiden Organisationen vorstellen?
GABRIELA ist eine Koalition von 200 Frauenorganisationen in den Philippinen. Sie setzt sich hauptsächlich zusammen aus Frauen der ärmeren Schichten unserer Gesellschaft wie Arbeiterinnen, Bäuerinnen, städtischen armen und indigenen Frauen, jungen Frauen, Hausfrauen und Berufstätigen. Sie kämpft für die Rechte der Frauen, für Gleichheit und Stärkung. Sie kämpft auch gegen die imperialistische Dominanz in unserem Land. - IWA (International Women´s Alliance) ist eine globale Allianz von Basisfrauen. Es ist eine neue Organisation, sie ist erst im Juli 2011 gegründet worden. Die 1. Generalversammlung fand im Juli 2011 statt. IWA strebt an, die internationale Solidarität unter den Frauen weltweit zu stärken. Einige Ziele sind die Stärkung seiner Mitgliedsorganisationen, die gegenseitige Unterstützung unter Frauen zu verwirklichen, Angriffe auf die Rechte von Frauen abzuwehren. IWA verbindet sich auch mit anderen Volksbewegungen.
Als Vertreterin dieser beiden Organisationen bist Du gerade in Europa unterwegs. Welche Ziele hat Deine Reise?
Zuerst habe ich am Frauenpowermarathon in Ludwigsburg teilgenommen, der vom Frauenpolitischen Ratschlag organisiert wurde. Ich möchte verschiedene Organisationen in Europa treffen, um sich zu vernetzen und solidarische Verbindungen aufzubauen.
Welche Eindrücke hast Du vom frauenpolitischen Ratschlag?
Ich denke, dass der Frauenpowermarathon in der Lage war, Höhepunkte und wesentliche Themen der internationalen Frauenbewegung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die angesprochenen Themen sind wichtig nicht nur für die Frauen in Deutschland, sondern für die Frauen weltweit, z.B. Arbeiterinnenrechte, Prostitution, Militarismus und vieles mehr. Besonders beeindruckt haben mich der Kampf und der Widerstand der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen bei Opel. Oft hören wir, dass in den kapitalistischen Ländern die Arbeiter ruhig seien und sich mit der Ausbeutung abgefunden haben. Diese Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, haben mich inspiriert.
Kannst Du etwas über die „Kampagne der asiatischen Frauen gegen die Truppenpräsenz der USA im asiatisch-pazifischen Raum und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Frauen“ sagen?
Diese Kampagne, die von GABRIELA und IWA initiiert wurde, fordert den Abzug aller US-Truppen und Militärstützpunkte im asiatisch-pazifischen Raum. Der US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, dass dieses Jahrhundert für die USA das „asiatisch-pazifische Jahrhundert“ werden soll, in dem die USA eine große Rolle in dem wirtschaftlichen, politischen und militärischen  Geschehen in der Region spielen werden. Die US-Regierung sieht Asien als einen großen Markt, den es kontrollieren möchte. Die USA möchten so aus der tiefen wirtschaftlichen Krise herauskommen. Damit möchten die USA China als zweitgrößte Wirtschaftsmacht zurück drängen. Das ist die Basis für die zunehmende Militärpräsenz der USA in der Region. Wir wissen, dass diese Militärpräsenz nur die Aggression, Kriege und allgemeine Militarisierung intensiviert. Genau wie sie die politische Unterdrückung der Menschen, die in dieser Region für einen Wandel kämpfen, verschärft. Militarisierung und Kriege intensivieren auch die Gewalt gegen Frauen und Kinder. Sie bringen alle Arten von Gewalt wie Vergewaltigungen, Tötungen, Vertreibung von Menschen aus ihren Gemeinden, eine „Kultur“ der Gewalt sowie Prostitution,  Frauen- und Kinderhandel. Die Opfer solcher Gewalttaten erfahren fast nie Gerechtigkeit, da die USA kriminell gewordene Soldaten außer Landes bringen. Es herrscht eine „Kultur der Straflosigkeit“ durch das sog. Besuchsabkommen (VSA) der philippinischen Regierung mit der US-Regierung. Das ist der eigentliche Kern des Verbrechens.
Welche Ziele stellt sich die internationale Frauenbewegung in den nächsten Jahren aus Deiner Sicht?
Ich denke, dass es vor allem wichtig ist in den nächsten Jahren, dass Frauen sich organisieren. Wir müssen die Rechte verteidigen, die wir in den vergangenen 100 Jahren mit der Frauenbewegung erkämpft haben. Durch die kapitalistische Krise werden diese hart erkämpften Rechte angegriffen von der 1%-Elite der Menschheit und die Frauen sollten weiter kämpfen und sich verbinden mit Arbeiter-, Bauern- und anderen sozialen Bewegungen. Frauen sollten sich in organisierter Weise an dieser Widerstandsfront beteiligen, bis wir unseren Sieg erreichen gegen Kapitalismus, Imperialismus und alle reaktionären Kräfte. Ich bin zuversichtlich, dass dieses 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Widerstands für eine bessere Welt sein wird.
Unterstützt Ihr auch die Vorbereitungen zur nächsten Weltfrauenkonferenz in Asien?
Ja! Ich denke, das ist ein guter Plan, gerade auch vor dem Hintergrund der von mir angesprochenen US-Strategie. GABRIELA hat die die 1. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Caracas unterstützt und ist auch Koordinatorin in der asiatischen Region. Als Koordinatorinnen werden wir die Vorbereitungen für die nächste Konferenz unterstützen. Eine der gewählten Delegierten aus Asien für die weltweite Koordination ist Joms Salvador vom Frauenverband GABRIELA.
Wie hat Dir der Aufenthalt in Mannheim gefallen? Welche Eindrücke nimmst Du mit?
Mein Aufenthalt in Mannheim war sehr fruchtbar; ich nahm an der Montagsdemo teil und habe dort gesprochen und auch an der Veranstaltung, die von Courage, MLPD , Ceni, SKB und Yeni Kaden organisiert wurde. Und ich hatte Treffen mit einer Vertreterin von Ver.di in Heidelberg  sowie mit Betriebsräten von SRH in Neckargmünd. Ich habe viel gelernt in diesen Gesprächen und diese Erfahrungen werde ich in die Philippinen mitnehmen. Ich hatte ein gutes Programm und wohnte bei einem netten und gastfreundlichen Paar in Mannheim.
Vielen Dank für das Interview. Alles Gute und viel Erfolg im Kampf für die Rechte der Frauen – weltweit!

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MLPD Mannheim/Heidelberg